GE-Innovationen Teil 22 – GE-Ingenieure nutzen Mondanziehungskraft zur Energiegewinnung

Mit dem Mond verbinden die meisten von uns wohl einen romantischen oder auch geheimnisvollen Ort. Nicht so Phil Scott. Wenn er zum Mond hochschaut, dann sieht er Gigawattstunden ungenutzten Strom. Pünktlich wie ein Uhrwerk sorgt der Mond zweimal täglich für Ebbe und Flut. Für Scott, Business Manger Energy bei GE Power Conversion in Großbritannien, sind diese Gezeiten die perfekte Quelle an Erneuerbaren Energien. Und dabei viel berechenbarer und zuverlässiger als Wind- oder Solarenergie. „An der Küste Großbritanniens erreicht die Strömung, die durch die Gezeiten entsteht, stellenweise eine Geschwindigkeit von bis zu sieben Meter pro Sekunde“, so Scott. „Eine Naturgewalt, die nur darauf wartet, von uns genutzt zu werden.“


Bis zu 70 Meter unter dem Meeresspiegel nutzen GE-Ingenieure die Gezeitenkraft zur Energieerzeugung.

Vor der Küste Schottlands hat GE bereits die ersten Gezeitenkraftwerke installiert. Riesige Rotoren kombiniert mit Turbinen, wie sie auch in der Erzeugung von Windenergie eingesetzt werden, wurden rund um die Orkney Inseln in 50 bis 70 Metern Tiefe verankert. Die Kraftwerke stehen an strategisch ausgewählten Punkten, die sich zwischen den Inseln und dem Festland befinden. Hier rauscht die Gezeitenströmung wie durch einen engen Tunnel hindurch. Die Orkney-Kraftwerke konnten so bereits mehr als 15 Megawattstunden Strom in das lokale Netz einspeisen.

Zurzeit erwägt GE, weitere Kraftwerke zu installieren und einen zweiten 10-Megawatt starken Unterwasserpark im Nordwesten Schottlands zu errichten. Experten schätzen, dass allein Großbritanniens Küsten durch Gezeitenkräfte ein Gesamtpotenzial  von 25 bis 30 Gigawatt bergen – genug um zirka 12 Prozent des Gesamtenergiebedarfs Großbritanniens zu decken. „Anhand von Gezeitentabellen kann ich voraussagen, wie sich Ebbe und Flut an einem bestimmten Punkt auf der Welt für die nächsten 100 Jahre verhalten“, so Scott.

Auch wenn die rauen Bedingungen im Meer völlig andere sind – die langjährige Erfahrung im Windkraftsektor verleiht GE einen beträchtlichen Vorsprung beim Bau von Gezeitenkraftwerken. Ob Gezeitenkraftwerke eines Tages die Windenergie ablösen werden? „Ich denke nicht“, sagt Scott. Dennoch geht er davon aus, dass in den nächsten fünf Jahren „signifikant mehr Unterwasserparks und möglicherweise auch Wellenkraftwerke“ ans Netz gehen werden. Und das nicht nur in Großbritannien, sondern auch in den USA, Südkorea, China, Australien und Brasilien.

Dieser Beitrag ist Teil der Reihe „GE Innovationen“. Diese Innovationen haben wir Ihnen bereits vorgestellt:

Teil 1: Das in Deutschland entwickelte ORegen-System zur Nutzung der Abwärme von Gasturbinen
Teil 2: Die Industrielle Vernetzung durch Softwarelösungen von GE
Teil 3: ADELE – Der Stromspeicher der Zukunft
Teil 4: Hybridkraftwerke – Grundbaustein für eine saubere, effiziente und flexible Stromerzeugung der Zukunft
Teil 5: Optima MR430s – MRT Technologie für Arme und Beine
Teil 6: Ultraschall-Scanner im Smartphone-Format
Teil 7: Das stärkste Flugzeugtriebwerk der Welt
Teil 8: Triebwerktests unter extremen Winter-Bedingungen
Teil 9: Die Glühlampe – von Edison bis LED
Teil 10: Genx-Triebwerke sorgen für Schub
Teil 11: Von Schmetterlingen für Wärmebildsensoren lernen
Teil 12: GE verwandelt Schweinedung in Öl
Teil 13: Ein Flugzeug aus dem 3D-Drucker
Teil 14: Einfach mehr sehen: Inspektion ohne Demontage
Teil 15: 10 Jahre GE-Windenergie
Teil 16: Holografischer Durchbruch – 100 DVDs in der Hosentasche
Teil 17: Grüne Mobilität: GEs neues Vehicle Innovation Center
Teil 18: Die Batterie der Zukunft
Teil 19: Energieerzeugung aus Reisabfällen
Teil 20: Tanken an der heimischen Erdgas-Zapfsäule
Teil 21: Mit Rechenkraft gegen Flugverspätungen

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